Once upon a time in Ösiland – Teil II

Also nochmal zum Hotel: Das war zwar sehr sauber und das Frühstück war okay, allerdings war es als Schlafstätte aus zwei Gründen denkbar ungeeignet. Zum einen hatte das Bett selbst eher Einzel- als Doppelgröße, zum anderen waren da die anderen Hotelgäste – und die setzten sich zum großen Teil aus Jugendgruppen zusammen. Nun habe ich als midlife-crisis-erwartender Balddreißiger ja nicht prinzipiell was gegen die eine oder andere laute Party, aber strunzvolle und laut gröhlende osteuropäische Neu-EU-Bürger Baujahr 1990 und jünger harmonierten für meinen Geschmack dann doch eher weniger mit dem hellhörigen Hotelflur und der nachtschlafenden Uhrzeit (wahlweise 2, 3 oder 4 Uhr).

Viel Schlaf gab’s also nicht, doch wir wollten ja auch nicht so viel vom Urlaub unnötig verschnarchen. Kommen wir also mal zu Wien selbst. Wien ist eine wirklich sehr schöne Stadt und entgegen vorheriger Bedenken war es eine sehr gute Idee, im Dezember hinzufahren. Das weihnachtlich beleuchtete Rathaus in direkter Nachbarschaft zur ohnehin wunderschönen Hofburg hat schon was ganz Besonderes. Am ersten Abend geisterten wir außerdem über die – zum Glück nicht überfüllten – Weihnachtsmärkte und genossen standesgemäß ein riesiges Wiener Schnitzel im Figlmüller.

Am nächsten Tag standen dann die Hofburg im Hellen nebst Besichtigung der Innenräume (incl. Sissi-Museum) auf dem Programm. Anschließend führte uns der Weg zum Stephansdom (wenig beeindruckend, wenn man als Kölner täglich an so ner großen Kirche vorbeiläuft) über die zentralen Wiener Einkaufsstraßen (Marke “wenn Sie schon alles haben, finden Sie hier nochmal alles – nur schäbbiger und zum vierfachen Preis”), das Parlament (ganz ohne verschandelnde Glaskuppel wie manch anderes) bis zur Uni Wien – bei der mir wie auch damals in Helsinki schmerzlich bewusst wurde, mit welch marxistischem Plattenbau-Charme doch die heimische Uni im Vergleich gesegnet ist. Schließlich betraten wir natürlich auch mal ein Wiener Kaffeehaus. Der Kellner überlegte kurz, ob er uns gleich beißen sollte, entschied sich aber dann doch dafür, uns in seiner erfrischend muffeligen Art mit Einspänner und Verlängertem zu versorgen. Das sind österreichische Kaffeearten, im Gegensatz zum Servicepersonal sehr gut genießbar.

Für den Abend hatten wir ganz dem Reiseführer vertraut und einen Tisch im Restaurant “Weinbeisser” reserviert. Okay, dass das Restaurant ganz am anderen Ende von Wien liegt und dort weder U- noch Straßenbahn hinfahren hätten wir vielleicht auch lesen sollen. Immerhin gab es einen Bus und den Rest konnte man locker zu Fuß schaffen, allerdings war die Gegend so einsam, dass man bereits instinktiv nach dem Ausweis tastete, da man jeden Moment mit der slowakischen Grenze rechnete. Doch bevor wir Bratislava zuwinken konnten, haben wir das Gasthaus dann doch gefunden. Busse wiederum verkehren nur bis etwa 20 Uhr, also wurde es ein längerer Verdauungsspaziergang zurück. Dafür wurden wir aber mit einem ausgezeichneten Essen entschädigt und weil Donnerstag war, kostete es dort sogar nur die Hälfte – ein Traum. Die beiden letzten Tage sollten noch einige Überraschungen in positiver und negativer Weise bringen, doch davon morgen mehr.

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