Once upon a time in Ösiland – Teil I

“Wieviele Wiener können lachen, wenn man sie ‘Schluchtenscheißer’ nennt?” Den zweiten Halbsatz hätte ich mir sparen können, der erste ist schon die eigentliche Frage. Nach vier Tagen Wien muss ich mein Bild von den Österreichern wohl grundlegend überdenken. Bislang hatte ich nur mit Tirolern oder Kärtnern zu tun, die waren größtenteils zwar recht abgedreht, aber fröhlich (und bezeichneten sich sogar selbst manchmal als ‘Schluchtenscheißer’). Wiener hingegen scheinen zum Lachen in den Hofburgkeller zu gehen. Zudem ist die Quote der hochnäsigen totes-Tier-von-der-Oma-auftragenden Tanten erschreckend hoch. Der einzige des Lachens fähiger Mensch schien unser Hotelportier zu sein, dessen Muttersprache aber auch eher Kisuaheli war.

Aber der Reihe nach. Am Mittwoch flogen Sabine und ich also für einen Kurztrip nach Wien. In der heutigen Zeit besonders erwähnenswert: Die Züge zum Flughafen kamen alle pünktlich – allerdings rechnet man damit ja kaum und ist dann natürlich viel zu früh da. Der Düsseldorfer Flughafen fiel uns bei der Gelegenheit als recht mies ausgestattet auf, was die Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten nach dem Sicherheitscheck angeht. Getränke sind nach EU-Vorschrift 3.356.353.897 Absatz 874B ja vorher in die Tonne zu treten, aber dahinter gibt’s dann nur Kaffee der Marke Fußschweiß und unbefüllte Cola-Automaten.

Nun ja, dann also ab in den Flieger und los geht’s in Richtung Hochgebirge. Meiner persönlichen Theorie zufolge stimmt ja irgendwas mit den Klimasystemen in allen Flugzeugen nicht. Ob’s nun zuviel Druck oder zu wenig ist, auf jeden Fall werden die meisten Menschen dort oben auf ihre Urinstinkte reduziert, insbesondere Flucht- und Herdentrieb. Jeder kennt die Ansage der Stewardess á la “Bitte bleiben Sie angeschnallt, bis wir unsere Parkposition erreicht haben.” Die wenigsten Flugbegleiterinnen können diesen Satz jedoch beenden, ohne dass die ersten Klickgeräusche sich abschnallender, sauerstoffunterversorgter Intelligenzallergiker ertönen. Das Flugzeug fährt dann zwar meist noch schneller als die meisten Fiestafahrer jemals eine Autobahn bereisen können, aber egal, hauptsache man hat die einmalige Gelegenheit, als erster das Handgepäckfach zu öffnen. Sobald das Flugzeug auch nur ansatzweise zum Stehen kommt, springen 80 Prozent der Passagiere sofort auf, schnappen sich in Rekordzeit ihr Handgepäck (letzteres erscheint übrigens als recht dehnbarer Begriff bis hin zum Überseekoffer), ziehen sich ihre dicken Jacken an und stehen dann schwitzend und in chiropraktisch arg bedenklicher Haltung im Gang. Man selbst sieht sich dieses Schauspiel ungläubig über den Rand der Zeitung an und fragt sich – wo zum Geier wollen die eigentlich so schnell hin?

Die Antwort wartet bereits vor dem Flugzeug, welches man nun ganz gemütlich verlässt – der Transferbus. Diese arbeiten nun dummerweise nach dem LIFO-Prinzip (Last In First Out), sodass die ganzen Frühaufspringer nun als letzte den Bus wieder verlassen können. Das führt in vielen Fällen zu panikartigen Reaktionen, denn schließlich wartet das Nonplusultra für jeden Jäger und Sammler, das Highlight des druckverlustgeplagten Pauschaltouristen – das Kofferband! Ich habe noch *nie*, und ich betone *niemals* erlebt, dass jenes bereits läuft, wenn man dort eintrifft. Egal, wie sehr ich auch getrödelt habe, nochmal auf’s Klo gegangen bin oder ein paar Telefonate erledigt habe, stets habe ich den Warnton mitbekommen, der anzeigt dass das Band nun anläuft. Das kann jedoch die sich am Bandstart knubbelnden, vor Aufregung leicht sabbernden bald-wieder-Kofferbesitzer nicht schocken. Der schönste Moment ist für mich dann der, wenn sie merken, dass das Band anders herum läuft und sie sich am Ende befinden – göttliche Gesichtsausdrücke. :)

Nachdem ich bei einem mürrischen (was auch sonst) Wiener Bahnbeamten unsere 72-Stunden-Tickets erworben hatte und wir dank eines unfreundlichen (was auch sonst) Wiener Busfahrers in den völlig falschen Bus eingestiegen sind, kamen wir mit einiger Schlepperei und einigem Umsteigen dann auch im Hotel an. (An dieser Stelle mal ein Lob an die KVB: Eure Bahnen sind wesentlich moderner und schöner als die der Wiener Linien.) Das Zimmer war zweckmäßig und sauber, das Hotel hielt aber darüber hinaus noch einige Überraschungen bereit – doch mehr davon morgen.

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