Finnland – Teil II

Ja, ich hab’s überstanden, das legendäre Dortmunder Bier und es schmeckt sogar ziemlich gut. Würde mich durchaus interessieren, ob’s das auch in Deutschland gibt. Nun ja, heute war also der erste von zwei Konferenztagen angesagt. Zu diesem Zweck wollte ich natürlich früh aufstehen, also bestellte ich den telefonischen Weckdienst und stellte die Weckfunktion des Fernsehers. Angeblich weckt letzterer “by radio, with volume increasing gradually”, was sich allerdings relativiert, wenn er direkt am Kopfende steht. Nach dem Aufwachen mit Musik á la “Hell’s Bells” (der Fernseher war dank falsch gestellter Uhr 10 Minuten schneller als der Onkel von der Rezeption) ging’s dann also zum Duschen und anschließend zum Frühstück. Letzteres verdiente sich das Prädikat “okay, aber unspektakulär”, daraufhin tappste ich, bewaffnet mit meinem Notebook, los zur Uni.

Auf dem Weg dorthin fielen mir wieder einige Dinge über Helsinki auf. Zum einen muss man sagen, dass es wirklich eine schöne Stadt ist. Es gibt sehr viele Parks, die Häuser sind größtenteils sehr hübsch, alles ist sehr hell. Die große Allee, die ich überquerte, erinnerte mich irgendwie an den Wenzelsplatz in Prag, nur ruhiger und noch grüner. Zum anderen die Menschen hier (heißen die eigentlich “Helsinkier”?). Es gibt überraschend viele Männer, die mich vom Aussehen her an Kronprinz Willem der Niederlande erinnern. Frauen tragen – im Gegensatz zu Deutschland – hier in der großen Mehrzahl Röcke aller Formen und Farben, Hosen sind eher selten. Ganz hübsch, sollte man bei uns auch wieder in die Mode einführen. Dann gibt es noch die Hard-Rock-Lordi-Fan-Fraktion, die morgens schon aussehen, als wären sie von der nächtlichen Friedhofs-Session nicht schnell genug zurück in den Sarg gekommen.

Apropos Lordi: Wenn Ihr einem Finnen (egal welchen Alters oder Geschlechts) einen Gefallen tun wollt, sprecht ihn oder sie auf den Eurovision Song Contest an. Ist hier ungefähr das Pendant zu unserem “Wunder von Bern”. Über die WM darf man auch reden, auch wenn Finnland gar nicht dabei war. Die einhellige Meinung zu Deutschlands Auftritt ist wohl: “Wir haben gedacht, Ihr blamiert Euch, aber die haben den schönsten Fußball gespielt.” Auch begeistert ist man von den Bildern der Fan-Meilen, ich wurde ein paar Mal gefragt, ob ich denn auch da war.

Aber so weit war ich ja eigentlich noch gar nicht, erstmal zurück zur Uni. Wenn man die zum ersten Mal sieht, fällt einem als Kölner-Plattenbau-Uni-Student erstmal die Kinnlade runter. Flankiert vom (unglaublich schönen) Dom von Helsinki und vom finnischen Reichstag steht da so ein weißer Säulenbau vom Allerfeinsten. Drinnen ist es zwar wieder mit Köln vergleichbar, aber die Außenansicht und vor allem der Ausblick sind beneidenswert.

Über die Konferenz selbst will ich gar nicht so viel schreiben, interessiert wohl die wenigsten. Nach der üblichen Begrüßung folgten ein paar Demos und dann war auch schon Mittagszeit. Hier würden meine Befürchtungen bzgl. der Restaurantauswahl unserer Projektleitung wieder mal bestätigt. Nobelrestaurant, als Vorspeise Brot und Butter (wann kriegt man das schonmal?), Hauptgericht – oder wie ich es nennen würde: Spatzenvorspeise – irgendwelches Fleisch mit Kartoffelpürree. Durchaus lecker, aber von der Portionsgröße wie gesagt eher Marke Möwenschiss. Ach ja: Zum Trinken gab es ausschließlich stilles Wasser – keine Cola, kein gar nix. In Köln sollte sich also bitte niemand wundern, wenn ich der Mensa-Bedienung nach meiner Rückkehr einen Blumenstrauß mitbringe. Die Rechnung tat dann ihr Übriges: 17,50 Euro, bar auf die Kralle. Krampfhaft konnte ich mir knapp den Kommentar verkneifen, wann der Rest denn geliefert wird.

Nun ja, back at the conference wurde uns dann technisches Spielzeug á la “Whiteboard mit Touchscreen und Schrifterkennung” vorgestellt. Dann war erstmal “coffee break” angesagt, wobei man hier “break” in der Tat mit “brechen” übersetzen könnte – so schmeckt nämlich hier der Kaffee. Nach ein paar weiteren Vorträgen und Demos war dann Ende. Auf der Suche nach einem Abendessen ließ ich mich allzu schnell von einem Werbeschild verleiten, dass ich von weitem als “Antalya Kebab” interpretierte. Dass die Türken aber noch nicht so weit in den Norden vorgedrungen sind, wusste ich spätestens, als ich mitten auf dem Trödelmarkt stand – was das Schild wohl eigentlich bedeuten sollte. Also ohne Abendessen ins Hotel. Ich lief schnurstracks grinsend an Freund Aufzug vorbei, denn seit heute morgen wusste ich: Es gibt noch einen! Und der fuhr mich anstandslos in Etage 3. So ein Weichei.
Tja, und nun sitze ich hier, schaue noch ne Al-Bundy-Folge und packe schonmal für den Rückflug. Mal sehen, was bis dahin morgen noch passiert, Teil III folgt bestimmt!

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