Torino 2006 – Teil III

Der geneigte Leser (ja, ich bilde mir immer noch ein, meine an dieser Stelle gesammelten Werke interessieren irgendeine halbwegs intelligente Lebensform auf diesem Planeten) wird gemerkt haben, dass der dritte Teil meines Berichtes einige Zeit auf sich warten ließ. Das kann ich damit erklären, dass die letzten beiden Tage mehr als ereignisreich waren, sodass mir für die Schreiberei wenig Zeit und Muße blieb.

Chronologisch korrekt setze ich die Story nun am dritten Tag des Turin-Trips fort. Der Tag begann früh, man ist halt nicht zum Spaß hier. Einer mäßigen Vormittagssession und dem obligatorischen – und wieder mal hervorragenden – Mittagessen folgte eine sehr interessante Nachmittagssession zum Thema “user evaluation”. Natürlich kann ich hier kaum etwas darüber erzählen, aber soviel sei gesagt: Es ist ungemein praktisch, wenn nach einer Session alle über dasselbe reden, was vor der Session kaum der Fall war. Bei einigen Dingen konnten wir uns nicht ganz einigen, das wurde aber dank der harmonischen und heiteren Stimmung in der Art gelöst, dass bspw. das Wort “ownership” (ein langwieriger Streitpunkt) irgendwann nur noch “the bad o-word” genannt wurde.

Dem Meeting folgte ein Rundgang über das Gelände des VRMMP (”Virtual Reality and Multimedia Park”), der größtenteils aus beeindruckenden Filmstudios sowie Filmproduktionsräumen besteht. Hier entsteht zur Zeit der Film “Donkey Xote“, wir durften den Animationsmachern über die Schulter gucken, sehr interessant.

Am Abend bildete dann das große “Social Event” den Abschluss. Es fand im Restaurant “La Badessa” statt, das Essen war (mal wieder) grandios und der Wein war ziemlich süffig. Nicht zuletzt dank des Social Events habe ich sehr viele nette Leute im Projekt kennengelernt, die nächsten 2,5 Jahre dürfen gerne so weitergehen. :) Es ist für mich auch erstaunlich, wie schnell man von Deutsch auf Englisch umschaltet und nach wenigen Tagen beginnt, auf Englisch nachzudenken. Die Sprache war dadurch nahezu gar kein Hindernis für nette Unterhaltungen. So gegen 23.30 Uhr war ich nicht nur ein wenig (aber auch nur ein gaaanz klein wenig) tippsy, sondern auch ziemlich müde. Versehentlich schloss sich die Runde der Schlafwilligen allerdings der Sightseeing-Truppe an, sodass wir unfreiwillig, aber im Endeffekt zu unserem Glück noch die Uferpromenade bestaunen durften, Fotos gibt es u.a. hier.

Am nächsten und letzten Tag stand außer einem kurzen Abschlusstreffen eigentlich “nur” die schnelle Heimreise auf dem Programm. Am Tag zuvor wurden wir bereits vorgewarnt, dass die Busse und Bahnen an diesem Tag streiken werden. Als ich mich um 11 Uhr ins Taxi zum Flughafen setzte wusste ich allerdings nicht, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sein sollte. Noch frohen Mutes ging ich ins Flughafengebäude hinein und starrte kurz darauf auf das rot blinkende “cancelled” neben meinem Flug. Kurze Nachfrage ergab, dass die Fluglotsen streikten und erstmal bis auf Weiteres alles ausfallen würde. Ich reihte mich in die Hundert-Mann-Schlange vor dem Buchungsschalter ein, um einen anderen Flug zu organisieren. Nach einer Stunde kam ich dann auch dran und wurde einem Flug um 18.25 Uhr (statt 12.50 Uhr) zugewiesen. Alle Versuche, einen früheren Flug zu bekommen (z.B. den meiner Kollegen um 15.55 Uhr) waren vergebens.

Frustriert setzte ich mich also mit einer miesen Flughafenpizza in eine Ecke und bereitete mich auf 5 Stunden Langeweile vor. Denn wer schonmal am Turiner Flughafen war, der weiß: Da ist komplett tote Hose angesagt. Aber immerhin hatte ich ja noch meinen MP3-Player mit dem Rest vom Hörbuch – dachte ich zumindest, denn mein MP3-Player passte sich den Gegebenheiten des Tages an und verlangte eine Neuformatierung – natürlich mit dem Tool, welches zu Hause auf meinem Schreibtisch lag. Zum Glück war ich aber ja nicht der Einzige, der dort festsaß. Kurz darauf traf ich Katrien Dreessen vom IBBT, deren Flug sich um 1 Stunde verspäten sollte. Nach besagter Stunde und einer wirklich netten Unterhaltung musste ich ihr allerdings mitteilen: “You’d better not turn around” – denn dort wies die Anzeige auch ihren Flug als “cancelled” aus. Sie reihte sich daraufhin in die Lufthansa-Schlange (200 Mann) ein und ich fand bald darauf meine Kölner Kollegen – deren Flug nun auch ausfallen sollte, aufgrund technischer Probleme.

Um es abzukürzen: Wir kamen irgendwann gegen 22.30 Uhr in Düsseldorf an (Katrien hatte einen Direktflug um 16.30 Uhr nach Brüssel bekommen), natürlich verpasste ich meinen Zug nach Hause und musste mich am Ende mit dem Auto abholen lassen. Ich werde so schnell keine italienischen Fluglotsen zum Abendessen einladen, soviel steht fest. Aber irgendwann ärgert man sich an einem solchen Tag über gar nix mehr und hakt alles unter “shit happens” ab.

Außerdem hat das Meeting an sich (zu dem ich zugegebenermaßen ursprünglich wenig Lust hatte) für so einiges entschädigt und ich freue mich schon auf das nächste Treffen.

Torino 2006 – Teil II

Hab ich mich hier vor ein paar Monaten mal über Busfahrer in Helsinki beschwert? Vergesst es wieder, in Turin seht Ihr in den wahren Abgrund der täglichen Amokfahrten! Busfahren ist hier wohl gleichzusetzen mit Frühsport, denn wenn Ihr nicht einen der dünn gesäten Sitzplätze ergattert, habt Ihr alle Hände voll zu tun, Euch irgendwie festzuhalten und gleichzeitig weder die Orientierung noch das Frühstück aus dem Magen zu verlieren!

Nicht, dass Taxifahren eine echte Alternative dazu darstellen würde: Hier müsst Ihr Euch zwar nicht festhalten, dafür rauscht aber Euer Leben im Zeitraffer an Euch vorbei, wenn der Taxifahrer mal eben hupend auf eine vollbesetzte Kreuzung draufhält, auf die von allen Seiten Autos zuströmen. Ampeln sind hier wohl eher Deko. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Italiener mit offenen Augen Auto fahren, denn diesen Verkehr überlebt man nur mit “Augen zu und durch”.

Apropos Frühstück: Das war im Hotel auch sehr lecker und ausgiebig, nix zu meckern. Im VRMM Park wurden wir dann zum Mittagessen mit einer Auswahl italienischer Köstlichkeiten verwöhnt (ich weiß bei mehr als der Hälfte der Sachen bis jetzt nicht, was es war, aber es schmeckte). Dazu gab’s leckeren Wein, im Gegensatz zum Kaffee könnte ich mich daran in Italien durchaus gewöhnen.

Beim eigentlichen Meeting überraschte erstmal, dass unser Projektleiter den WLAN Access gekappt hat – kann ich einerseits verstehen, weil’s die Aufmerksamkeit deutlich erhöhen dürfte, andererseits bedeutete das: Kein Internet hier, nur teures im Hotel, grmpf. Das Meeting heute fand übrigens in einem leicht umgebauten Filmstudio statt, interessante Location.

Zum Abendessen gingen wir dann in ein Restaurant und aßen Pizza, dazu gab’s holländisches Bier – wobei mir auffällt, dass ich noch nie von italienischem Bier gehört habe, genauso wenig von spanischem oder französischem (abgesehen von bisher nur in Paris entdecktem Lakritzbier *würg*). Muss ich mal weiter eruieren.

Ein Wort zur Turiner City: Schön. Eigentlich sogar sehr schön. Ich bin sehr überrascht, hatte ich doch eher das Image einer Auto- und Industriestadt im Kopf. Aber Turin überrascht mit vielen Säulenbauten, schönen alten Häusern, toll gestalteten Plätzen und abends mit einer künstlerisch wertvollen Ausleuchtung, vor allem der Brücken, Plätze und Burgen.

Insgesamt kann man Reisewilligen Turin wohl sehr nahelegen. Bis morgen!

Torino 2006 – Teil I

Nein, ich schreibe hier nicht etwa um 10 Monate verspätet einen Bericht über die Winterolympiade (auch wenn ich dieses Ereignis damals durchaus interessiert verfolgt habe), es geht hier vielmehr um ein Projekttreffen unseres neuen EU-Projektes “Citizen Media“, das vom 28.11. bis 1.12. stattfindet, heute also begonnen hat.

Bereits die Vorbereitungen gestalteten sich etwas abenteuerlich, es ist nämlich gar nicht so leicht, zu halbwegs zivilisierten Zeiten von Köln nach Turin zu kommen. Schließlich haben wir es dank Air France doch noch geschafft, per Umweg über Düsseldorf und Paris annehmbare Flüge zu erhaschen. Heute morgen begann also alles damit, dass ich mich in den Zug von Grevenbroich nach Düsseldorf Hbf begeben durfte. Wie es nunmal meine Art ist, habe ich mich auf den letzten Drücker zum Bahnhof aufgemacht, stand dann aber mit einem zufriedenen Gesicht pünktlich um 11:59 Uhr (Abfahrt war 12:02 Uhr) mitsamt Gepäck am Gleis – nur um dann zu merken “scheiße, ich hab ja gar kein Ticket”! Es muss ein recht skurriler Anblick gewesen sein, als ich – gerade noch entspannt lächelnd – schlagartig mein Gepäck die Treppen runterwuchtete und zum Schalter hetzte. Nun habe ich ja schon einiges bzgl. Bahnpersonal erlebt, aber diese Dame war ausnahmsweise mal auf Zack und ich schaffte es sensationellerweise innerhalb 90 Sekunden, wieder am Gleis und schließlich im Zug zu sein.

Man sieht, die Reise begann schonmal sehr entspannt. Nun ja, am Flughafen angekommen aber das erste Highlight: Ich durfte mal mit dem SkyTrain fahren! Wollte ich ja schon immer mal, ist auch ziemlich fix das Ding. Am Check-in half mir dann ein freundlicher, unübersehbar schwuler (die gibt’s also auch in Düsseldorf) Air-France-Mitarbeiter beim Eintippen meines eTickets und ich machte mich erstmal ans Frühstück. Mein Kollege kam kurz darauf an und fluchte erstmal über sein MacBook, welches soeben seinen USB-Stick frittiert hatte – samt Präsentation. Alle Wiederherstellungsmaßnahmen halfen nix, wir vertagten die ganze Angelegenheit auf den Nachmittag.

Auf den Flügen fiel mir eigentlich nur auf: Gab’s bei diesen renommierten Airlines nicht mal was ordentliches zu futtern? Heutzutage wohl nicht mehr, ein läppisches Sandwich statt eines halbwegs sättigenden Mittagessens. Whatever, wir hatten ja noch genug Zeit in Turin selbst. Am Flughafen Turin angekommen watschelten wir dann zum Bahnhof (nix mit SkyTrain) und stiegen in die altertümlich anmutende, aber sich als relativ bequem erweisende Bahn. Über die Gegend zwischen Flughafen und City lässt sich eigentlich nur sagen: “Zur umgehenden Umkehr anratend.”

Angekommen in Madonna di Campagna versuchten wir, die einheimische Bevölkerung nach dem Weg zu fragen. Dabei fiel schonmal auf: Nur eine deutliche Minderheit der Italiener scheint Englisch zu verstehen, geschweige denn zu sprechen. Das hält sie allerdings nicht davon ab, auf Italienisch loszubrabbeln, auch wenn man kein Wort versteht und immer nur “si si” sagt – ich hoffe nur, es war kein Staubsaugervertreter darunter, vorsorglich werde ich in den nächsten Tagen sämtlichen Postboten ausweichen. Im Endeffekt haben wir den Veranstaltungsort dann von allein gefunden, den VRMM Park. An der Inneneinrichtung der Konferenzräume nebst Ausstattung könnte sich die Uni Köln mal ein Beispiel nehmen, alles sehr schick und modern. Vom eigentlichen Inhalt des Meetings will ich wie auch beim Helsinki-Report nicht allzu viel erzählen. Wichtig ist nur, dass wir nach einigem Hängen und Würgen die Präsentation wieder auf dem Bildschirm hatten und mein Kollege seinem Mac auf Lebenszeit die Freundschaft gekündigt hat.

Kommen wir zu einem zentralen Thema, über das jeder Italien-Reisende informiert sein sollte: Kaffee! Wenn Italiener “Kaffee” sagen, meinen sie in der Regel “Espresso”, und zwar in der extremen Ausführung, in der Wasser eigentlich nur zu Dekorationszwecken hinzugefügt wird. Selbst ich als Koffein-Junkie hatte nach dem ersten Genuss eines Espressos das Gefühl, mein Herz würde gerade auf den Modus “Duracell-Häschen” umschalten. Den Cappuccino (den ich ab da stets bevorzugt habe) haben die Italiener wohl nur erfunden, weil der Espresso zu viele Todesopfer gefordert hat.

Über das Hotel (Best Western Hotel City) kann man fast nur Gutes sagen, das “fast” begründet sich vor allem darin, dass man für den Internet-Zugang gesondert zahlen muss, was ich bei einem 4-Sterne-Hotel in einer Großstadt heutzutage eigentlich als kostenlosen Service voraussetze. Ansonsten ist das Hotel aber sauber, das Personal sehr freundlich und die Zimmer komfortabel. Auch der Preis scheint mir angemessen.

Auf der Suche nach einem Abendessen leuchtete uns schon bald das Goldene M entgegen, das mir wie in jeder Stadt natürlich die Freudentränen in die Augen treibt. Ich hätte mir vor Jahren vornehmen sollen, in jeder Stadt, die ich besuche, einen BigMäc zu essen und davon ein Foto zu machen – das wäre mal eine echte Foto-Love-Story geworden. Nun ja, so bleibt mir nur noch die Erinnerungen an diese schönen Zeiten…

Meine persönliche Abendunterhaltung bestand vorrangig aus meinem mitgebrachten Hörbuch “Der Schwarm” sowie meinem Selbstlernkurs “Schwedisch für Anfänger”, da das italienische Fernsehen insbesondere aus merkwürdigen Gameshows, Homeshopping und “Ruf mich an”-Werbung zu bestehen scheint – deutsches TV suchte ich vergebens.

Morgen geht die Konferenz dann richtig los, ich verabschiede mich nun in die Heia.

Die Mosel – Ein Herbstmärchen 2006

Es war also mal wieder so weit, 19 wackere Helden machten sich auf zur Mosel-Revival-Tour des Jahres 2006 und trafen sich in der einsamen Berghütte nahe Zeltingen-Rachtig. Für Nicht-Eingeweihte: Wenn man diese Hütte mit dem Auto ansteuert, meldet das Navi pflichtbewusst: “Sie haben den Arsch der Welt erreicht!”. Allerdings ist die Hütte an sich ein Traum für eine Wochenendtour mit vielen Leuten – weit und breit niemand, den man stören könnte, viel Grün drumherum, ein großer Grillplatz und nicht zuletzt das große Vergnügen, mit lauter alkoholausdünstenden Personen in einem Raum zu schlafen.
Der Wochenendverkehr machte uns schwer zu schaffen, sodass die Ersten um 14, die Letzten um 22 Uhr eintrafen. Den Freitagabend verbrachte man dann nach der allgemeinen Begrüßung am gemütlichen Lagerfeuer mit Grillen und diversen alkoholischen Getränken, wobei der Kreativität keine Grenzen gesetzt waren. Boris und Anke erfreuten uns bei der Gelegenheit mit der Ankündigung ihrer Hochzeit im nächsten Jahr (und der Aussicht auf zwei nette Junggesell(inn)enabschiede). Nach und nach verschwand man dann im gemeinschaftlichen Riesenschlafsaal auf quietschende Luftmatratzen und raschelnde Schlafsäcke, an erholsamen Schlaf war also keinesfalls zu denken. Die üblichen Verdächtigen standen dann auch schon mit dem ersten Sonnenstrahl wieder auf, der Rest quälte sich nach und nach unter die (Außen-)Duschen – und wurden für ihr Langschläfertum prompt mit der Nichtexistenz von warmem Wasser bestraft (naja, nur die Harten komm’n in’n Garten).
Einem ausgiebigen Frühstück folgte die Aufteilung in eine sportlich ambitionierte Wandergruppe (Respekt!) und eine kuchengeile Stadtbummeltruppe. Letztere fuhr dann auch schnurstracks ins äußerst empfehlenswerte Café K. nach Bernkastel-Kues (und schickte der Wandergruppe per MMS Bilder vom Kuchen). Der nächste Pflichttermin bestand ab 15 Uhr in der traditionellen Mosel-Herbstolympiade. Diese bestand in diesem Jahr aus den Disziplinen:

  • Blind-Kick
  • Tennisball-Lauf
  • Papierflieger-Weitwurf
  • Spontan-Dichtung
  • Ruck-Zuck
  • Liedtext-Erkennung
  • Hände ertasten

Zudem musste sich jedes Team einen Namen, einen Schlachtruf und eine Fahne ausdenken. Sieger wurden die “Faulen Trauben” mit ihrem Schlachtruf “Opa Opa, Most Most Most” vor dem “Fluch der Mosel” und den “Rachen-Drachen”. Es wurden wie erwartet sportliche Höchstleistungen erster Klasse geboten, diverse Weltrekorde waren in Reichweite, zumindest aber hat sich keiner verletzt.

Nachdem man sich mit 10 Kilo Nudeln und 20 Kilo Soße wieder gestärkt hat, ging es am zum Weinkeller beim “Becker Eddi”. Bei Preisen, die benzinsteuergeplagten Menschen noch die Freudentränen in die Augen trieben, wurde einmal quer durch die Karte probiert, dass die Öchsle nur so flossen. Am Ende ließ es sich der Herr des Hauses nicht nehmen, unsere fußschwachen Damen noch persönlich den Berg hinaufzufahren. Bei der Gelegenheit lernten wir dann auch, dass es unterschiedliche Stufen der Faulheit gibt (edelfaul, essigfaul) – gefundene Argumente für die anwesenden notorischen Couchpotatos. Ein rundum gelungener Abend.

Kommen wir nun zur Einzelkritik:

  • Jens zeigte noch große Schwächen in seinen Pfadfinderfähigkeiten (verlief sich bei einer Runde um die Hütte und kam 40 Minuten später aus einer völlig falschen Richtung), glänzte aber durch Durchhaltevermögen (immer als Letzter im Bett).
  • Boris überzeugte durch prägende Sprüche (”Sach ma Öchsle-Meister, wie steht’s denn hier mit Happy Hour?”), erwies sich aber beim Blind Kick als unfairer Sportsmann (”Boris, das ist Claudia, nicht der Ball. Hör auf sie zu treten!”)
  • Stefan fiel gleich zu Beginn in Ungnade, als er wertvolle alkoholische Delikatessen fallen ließ, begeisterte aber am fortgeschrittenen Abend durch seine in langen Trainingsstunden erworbene Sozialkompetenz (”Wer sind Sie denn? Frau Becker? Frau Bratbecker?”)
  • Nadine erreichte einen neuen Weltrekord im Dauer-Schluckauf (den ganzen Weg vom Weinkeller bis zur Hütte), ihren Hang zum frühen Aufstehen kann man allerdings nur mit Schwächen in der Alkoholvernichtung erklären
  • Anke M. hatte spontane Geistesblitze beim Ruck-Zuck-Spiel (Spiel… Greuther Fürth), vergeigte jedoch das Hände-Ertasten dafür völlig (die Verwechslung mit Claudia nehm ich Dir noch lange übel!)
  • Julia war eindeutig die Mutigste von allen (ließ Papa’s teures Auto stundenlang unter einer wackeligen Holzschranke stehen), an ihrem Durchhaltevermögen muss sie aber noch schwer arbeiten (als Erste im Bett)
  • Stephan kümmerte sich im ganz großen Stil um unser Lagerfeuer (brachte nen ganzen Anhänger mit), war aber Schuld am z.T. schlechten Wetter, weil er als Einziger seinen Kuchen nicht aufgegessen hat
  • Olli sorgte für handfeste Skandale (beim Ruck-Zuck-Spiel enthüllte er unfreiwillig seine aktuelle Dreiecksbeziehung), überraschte uns aber mit einer persönlichen Vorstellung von “das perfekte Frühstück”
  • Simone hatte zwar bei Ruck-Zuck arge Probleme mit einem Dauerständer, war aber zu guter Letzt die Rettung in puncto Heimfahrt für gewisse grüngesichtige Weinopfer
  • Richard hatte das tollste Technikspielzeug dabei (3-Euro-Taschenlampe mit 134 Funktionen), allerdings konnte auch sie das für ihn optimale Verhältnis Blut vs. Alkohol nicht korrekt errechnen
  • Melanie erwies sich als äußerst konsequent bei der Ermordung von achtbeinigen Mitbewohnern (nehmen wir halt nen Bierkasten – sicher ist sicher – *rumms*), muss an ihrer Abwehrstrategie für aufdringliche Männer aber noch arbeiten
  • Unserem Grillmaster René verdanken wir unser leibliches Wohl, allerdings hält sich nachhaltig das Gerücht, dass er als bekanntermaßen gemütlicher Autofahrer den Stau auf der Hinfahrt verursacht hat
  • Sabine erntete jede Menge Neid für ihre dreistöckige Luftmatratze, ihre Standfestigkeit ließ jedoch arg zu wünschen übrig (lief immer nur auf Krücken rum)
  • Dirk muss noch dringend an seiner Terminplanung feilen (reiste bereits Sonntags um 8 ab, wofür ihn die Schlafwilligen hätten erwürgen können), er verdiente sich aber bei der Olympiade große Anerkennung durch sein spontanes Sado-Maso-Gedicht
  • Claudia verzweifelte beim Dichten am Wort “Matratzenschoner”, war ihrem Team aber bei der kreativen Gestaltung der Fahne eine große Hilfe, indem sie die Vorlage für einen Totenkopf mit rosa Schleifchen auf ihrem T-Shirt trug
  • Anke L. sorgte mit kreativer Getränkeauswahl (Becherovka-Tonic) bei der Verlobungsverkündung für Aufsehen, zeigte aber in der darauffolgenden Nacht gleich, was Gewalt in der Ehe bedeutet (verpasste Boris ca. 38 Watsch’n weil er schnarchte)
  • Silke ließ bei der Auswahl der Ruck-Zuck-Begriffe (Dreiecksbeziehung, Dauerständer etc.) wieder tief in die Abgründe ihrer Phantasie blicken, startete allerdings auch mit einem Bonus ins Wochenende, weil sie bereits beschwipst ankam (Flasche Schnaps im Auto)
  • Jenny zeigte geringes Verständnis für Tradition (drehte uns den Zapfenstreich ab), ihr Talent lag eher in der Lyrik, sodass sie in Koproduktion mit Stephan das beste Gedicht hervorbrachte (”Ja sind wir denn hier im Schweinestall – Maulsperre und Klauenseuche überall – da nimm doch lieber mal eine Klobürste hier – oder ein Taschentuch, vielleicht reicht es Dir”)

Über mich selbst sag ich natürlich nix, dazu ist die Kommentarfunktion ja da.

Insgesamt war es wieder ein phänomenales Wochenende. Ich denke mal, dass sich alle schon wieder auf das nächste Mal freuen.

Finnland – Teil III

Gäääähn, da bin ich wieder. Zurück in good new Germany und ziemlich platt, deswegen schreib ich diesen Teil auch etwas verspätet. Donnerstag abend habe ich noch festgestellt, dass es zur Zeit ja nicht so richtig dunkel wird in Helsinki, da hatte sogar der Frachthafen-Blick irgendwie seinen ganz eigenen Reiz. Freitag morgen wurde dann nach dem Hell’s-Bells-Wecken gefrühstückt, diesmal entwickelte ich eine ganz eigene Kreation aus Knäckebrot, Käse, Schinken, Salami, Tomaten und Majonnaise. Sehr lecker, aber das Balancieren und Abbeißen ist nix für Anfänger.

Danach habe ich dann ausgecheckt, konnte mir dabei die Antwort auf die übliche Minibar-Konsumfrage nicht verkneifen: “Although I might look like, I’m not yet a millionaire”. Sie fand’s lustig. Das angebotene Taxi verneinte ich ebenfalls, wollte ja schließlich noch einen neuen Fußweg zur Uni ausprobieren. Mit Gepäck zwar etwas anstrengend, aber okay. Das Wetter war so traumhaft, dass bereits zu so früher Stunde einige der großen Straßencafés gut besucht waren, sahen sehr gemütlich aus. Aber ich hatte ja leider keine Zeit und spatzwanderte durch einen der vielen Parks zum zweiten Konferenztag. Über diesen spar ich mir dann auch wieder den Bericht. Als ich die Liste der möglichen Mittagessen sah, dachte ich nur: Gut, dass ich am Flughafen essen werde – billiger und besser!

Um halb eins verabschiedete ich mich und machte mich auf die Socken zum Airport. Bei der Sicherheitskontrolle dann die große Überraschung: Zum ersten Mal in meinem Leben piepste sie nicht. Das machte mir richtig Angst – die musste kaputt sein, wer kommt denn dann hier alles durch? Schluck…

Zur Beruhigung ging ich dann zum Duty-Free-Shop und kaufte noch was für die Liebste (und das nicht nur, weil sie mir Steak und Pommes zum Abendessen versprochen hatte). Mit etwas Verspätung ging’s ab in den Flieger, wo ich diesmal eine Reihe für mich hatte und die Stewardess bei der Sicherheitsvorführung aus irgendeinem Grund einen Lachkrampf bekam – sehr amüsant. Ach ja, der Pilot hatte übrigens ein Deutschland-Fähnchen im Fenster, fand ich auch ziemlich kultig.

Angekommen in Köln begrüßte uns ein hübscher Platzregen und natürlich fiel mein Anschlusszug aus. Da fühlt man sich doch gleich wieder zuhause. Alles in allem kann ich über Helsinki fast nur Positives sagen, auch wenn ich recht wenig gesehen habe. Ich hätte nichts dagegen, mal wieder hinzufahren – aber dann bitte als Urlaub. Darauf ein “Hartwall Legenda”!