Projekt: 54 Liter Brackwasser-Becken

Achtung: Das im Folgenden beschriebene Aquarium hat leider NICHT funktioniert! Ich lasse den Artikel dennoch online, um anderen davon abzuraten, Ähnliches zu versuchen.

Nachdem der Jahrhundert-Sommer leider den Besatz des 54-Liter-Aquariums meiner Tochter sehr stark dezimiert hat, wanderten die Überlebenden kurzerhand in andere Becken und das Ding stand komplett leer. Auf der Suche nach einer Verwendung kam mir die Idee: Warum nicht mal den Sprung zum Salzwasser-Aquarium wagen? Natürlich kann das beliebig aufwendig und teuer werden, also wollte ich – vor allem nach dem gerade erlebten Desaster – nach dem Motto „klein aber fein“ vorgehen.

Nach zahlreichen Recherchen stand der Plan fest: Ein Becken mit einer Salinität von 10g/Liter, was in etwa dem Salzgehalt der Ostsee entspricht. Man spricht hier auch von „Brackwasser“, weil es irgendwo zwischen Süßwasser und dem „klassischen“ Salzwasser von Korallenaquarien u.Ä. entspricht. Bei diesem Salzgehalt geben die meisten klassischen Aquarienpflanzen den Geist auf, weshalb ich primär auf Javafarn, Javamoos und Mooskugeln setzen wollte. Primär besteht die Dekoration aber aus Loch- und Lavagestein sowie Kokosnusshöhlen. Und natürlich dem Märchenschloss der Tochter. 🙂 Die Technik blieb größtenteils bei „Standard“: Kleiner AquaEl-Innenfilter, Heizstab mit Thermostat und Thermometer. Nur bei der Beleuchtung wollte ich dann doch etwas mehr marines Feeling haben und orderte eine JBL Solar Marin Day T8.

Nun aber zum Besatz: Die Auswahl ist sehr begrenzt, sowohl bei Wirbellosen als auch bei den Fischen. Zumal 54 Liter auch nicht gerade viel Platz bieten. Schließlich wurde es folgende Kombination:

* 5 Afrikanische Einsiedlerkrebse (Clibanarius africanus)

* 5 Goldringelgrundeln (Brachygobius doriae)

* Felsengarnelen (Palaemon)

* Zebra-Rennschnecken (Neritina natalensis)

Leider bekommt man die Felsengarnelen nicht auf einem anständigen, tierfreundlichen Wege. Die werden nämlich als Futtergarnelen in Tütchen geliefert, in die man ansonsten Mückenlarven und anderes Kriechzeug einschweißt. Daher waren von den 20 bestellten Tieren auch nur noch 13 bei der Lieferung am Leben, inzwischen hat sich die Zahl auf 5 reduziert. Immerhin wirken die quietschfidel und freuen sich ganz offensichtlich über die wiedergewonnene Freiheit.

Bei den anderen Bewohnern gab es deutlich weniger Probleme. Alle waren in einem Top-Zustand beim Kauf. Die Einsiedlerkrebse sind faszinierende Tiere, fast immer unterwegs und sehr aktiv. Sie klettern fleißig auf den Felsen herum, plumpsen auch schonmal runter und liefern sich untereinander ein paar harmlose Kämpfchen. Die Grundeln haben eine tolle Farbe, besiedeln die Höhlen und Nischen, trauen sich inzwischen auch – mangels Konkurrenz – in die höheren Wasserschichten und an die Scheiben. Die Rennschnecken wachsen, haben eine schöne Musterung und halten die Kieselalgen erfolgreich im Zaum.

Gefüttert wird mit schwarzen/roten/weißen Mückenlarven (bei den Garnelen sieht man die auch noch nach dem Verspeisen), Daphnien, Artemia, Erbsen und Gurke. Der Standort des Beckens wurde so gewählt, dass keine direkte Sonneneinstrahlung die Temperatur zu hoch treibt, sie ist derzeit konstant bei 25-26 Grad.

In den nächsten Wochen werde ich noch ein wenig mit der Dekoration experimentieren (vielleicht mal Rotalgen oder größere Grünalgen testen) und Turmdeckelschnecken einsetzen.

Update Anfang 2019 (drei Monate später): Leider ist dieses Experiment gescheitert. Zunächst verschwanden die Felsengarnelen, was ich noch auf ihren wirklich schlechten Zustand bei der Lieferung zurückgeführt habe. Sie wurden durch Nashorn- und Amanogarnelen ersetzt. Während die Amanogarnelen – wie im Übrigen auch die Goldringelgrundeln – bis heute quietschfidel sind, verschwanden die Nashorngarnelen quasi umgehend wieder. Und dann leider auch die Einsiedlerkrebse, einer nach dem anderen. Evtl. waren sie schon zu Beginn recht alt, sie waren auch ungewöhnlich groß. Aber ich vermute eher, dass es insgesamt mit dem Wasser, speziell dem Salzgehalt, nicht wirklich passte. Sehr traurig und schade. Die Grundeln und die Amanos leben nun gemeinsam mit Roten Mangrovenkrabben in meinem neuen Mangroven-Brackwasserbecken, nach wie vor sind sie sehr munter. Dieses Becken stelle ich in einem gesonderten Beitrag vor.

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