Monthly Archives: Oktober 2014

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Der Zoo wächst: Willkommen, Lotta und Max!

Wie sagte die Lieblingstochter doch kürzlich zu ihrem Lehrer: „Nein, ich habe keine Geschwister. Und ich bekomm auch keine. Aber dafür haben wir zuhause einen Zoo.“ Ja, über einen Mangel an Haustieren kann sie sich nicht beschweren. Und eigentlich waren wir uns einig, dass es allmählich mal genug ist. Wobei – mit dem einen oder anderen Tier liebäugel ich ja ständig…

Dann ergab sich die Möglichkeit, unsere inzwischen etwas einsamen Geckos in eine größere Gruppe zu integrieren, sodass wir uns entschieden sie abzugeben. Nun war der Platz, an dem das Terrarium stand, ja quasi sträflich leer. Bei einem Besuch im Aquatop in Würselen war es dann unvermeidlich, sich auch mal in der Terraristik-Abteilung genauer umzuschauen. Meine Aufmerksamkeit wurde sehr schnell auf eine kleine, grüne Schlange gelenkt, eine Grasnatter. Gleich daneben befand sich eine gebänderte schwarzgrüne Schlange, eine Strumpfbandnatter. Beide Arten gefielen mir sehr gut und passten auch von der zu erwartenden Endgröße und ihren Bedürfnissen in meinen Plan. Mit einer Ausnahme: Nach etwa 7 Jahren Geckohaltung wollte ich keine Lebendfutterbeschaffung mehr sicherstellen müssen, denn das ist für halbwegs ländlich lebende Menschen ein Graus. Damit fiel die Wahl zugunsten der Strumpfbandnatter.

Weitere Recherchen ergaben, dass man die Tiere nicht im Zoohandel, sondern besser bei einem privaten Züchter erwerben sollte. Ich beschaffte mir etwas Literatur (sehr zu empfehlen: Martin Hallmen und Jürgen Chlebowy, „Strumpfbandnattern“, Natur+Tier-Verlag) und lernte viel dazu. So wollte ich dann auch kein fix und fertiges Terrarium kaufen, sondern selbst eines zusammenstellen. Geplant wurde ein Holzterrarium, basierend auf OSB-Platten, mit einer Glasfront und einer Seitenbelüftung. Die erforderlichen Platten wurden im Netz bestellt, die Glasfront bereits vorgefertigt (ich wollte bei der Einschätzung meines handwerklichen Geschicks ja realistisch bleiben). Die Maße des fertigen Terrariums betrugen 100 * 50 * 50.

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Weiter ging es mit dem Bodengrund. Sowohl Forenbeiträge als auch Fachliteratur widersprechen sich hier wirklich herzallerliebst. Eigentlich kann man nur alles falsch machen. Von Küchenkrepp über Sand, Kleinttierstreu, Buchenspäne, Rindenmulch und vieles mehr könnte ich inzwischen ewig über angebliche Vor- und Nachteile referieren. Gewählt habe ich schließlich Pinienrinde, Körnung 25 mm. Die Basis für die Dekoration bildeten Äste, Kokosnusshöhlen, Steinhöhlen, künstliche und echte Pflanzen (Tillandsien).

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Den letzten Pfiff jedoch erhielt die Gestaltung durch das Hinzufügen von großen Stücken Baumrinde, die ich durch eine zufällig mit mir verwandte Floristin reichlich erhielt. Später sollten mir zudem die Schlangen dies danken und beide Rindenstücke zu ihren Lieblingsplätzen erklären.

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Nun war ich fast fertig. Dachte ich. Die größte Herausforderung war jedoch nun die Auswahl und Installation der Licht- und Wärmetechnik. Hier galt noch viel schlimmer als beim Bodengrund: Man kann es nur falsch machen. Wenn man versucht, durch das Lesen von Forenbeiträgen das Optimum zu ermitteln, wird einem irgendwann klar, dass man seine Schlangen auf jeden Fall auf die eine oder andere Weise grausam misshandeln oder töten wird. Energiesparlampe? Zu kalt, die Schlange wird krank werden und sterben. Heizmatte? Nur für Glasterrarien. Heizstein? Das Terrarium wird abfackeln, ist außerdem unnatürlich. Heizlampe ohne Schutzkorb? Die Schlange wird sich daran verbrennen und verstümmeln. Heizlampe mit Schutzkorb? Die Schlange wird in den Schutzkorb kriechen und gegrillt. UV-Licht? Brauchen Strumpfbandnattern nicht. UV-Licht? Brauchen Strumpfbandnattern unbedingt.

Es blieb nur, nochmal mit gesundem Menschenverstand ganz neu an die Sache heranzugehen. Die Grundbeleuchtung realisierte ich schonmal über eine 15-W-Leuchtstoffröhre in einer Unterbauleuchte. Sie wird durch die obere Holzleiste in der Front verdeckt und leuchtet so ausschließlich nach innen. Das Kabel führte ich durch einen stabilen Kabelkanal an den linken Rand des Terrariums und dort durch eine passgenaue Bohrung hinaus.

Blieb die Heizlampe. Ich musste gestehen, dass die im Zoohandel erhältlichen Schutzkörbe viel zu weitmaschig waren, vor allem für junge Schlangen. Liebe Tierzubehör-Firmen: Da ist ne echte Marktlücke! Also kaufte ich erstmal eine Fassung. Statt einer 08/15-Keramikfassung nahm ich die „JBL TempSet basic“ (soviel Werbung muss mal sein), da sie sich viel leichter anbringen lässt. Nun probierte ich verschiedene Birnen aus, u.a. eine Energiesparlampe mit 13 Watt (in der Tat zu kalt und kein schönes Licht), verschiedene Kugellampen (schon nicht schlecht, aber unfokussiert) und einen 40-Watt-Strahler (je nach Tageszeit zu heiß und zu hell).

Meine Wahl fiel schließlich auf einen 28-Watt-Reflektorstrahler. Er erzeugte in der richtigen Entfernung die angepeilten Wärmeplätze um die 30 Grad und strahlte ein schönes warmes Licht als Kontrast zur Leuchtstoffröhre ab. Doch auch dieser wurde bei direkter Berührung zu heiß und stellte eine Gefahrenquelle dar. Der Zufall spielte mir schließlich die Lösung in die Hände. Beim Ausräumen der Spülmaschine entdeckte ich den absolut perfekten Schutzkorb in genau der richtigen Größe: Ein Spargelsieb!

Kurze telefonische Rückfrage bei der Frau des Hauses: „Kann ich das haben?“ – „Nein!“ – „Oh. Hmm, hab’s schon eingebaut.“ Genauer gesagt hatte ich es mit zwei Holzstücken als Halterung versehen, über die Lampe gestülpt und die Holzstücke am Terrarium festgeschraubt. Und man muss festhalten: Das passt wie A… auf Eimer!

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Wie man zudem sehen kann, habe ich das Terrarium weiter abgedichtet. Strumpfbandnattern gelten als extreme Ausbruchskünstler. Die Glasscheiben wurden durch ein Schloss und einen abdichtenden Pappstreifen gesichert. Kabelführungen wurden mit Silikon abgedichtet. Eine große Keramikschale zum Baden, eine kleine als Fressnapf, ein Thermometer und eine weitere kleine Plattform aus Buchenholz vervollständigten das Ganze.

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Die Bewohner konnten kommen! In der Zwischenzeit hatte ich bereits Kontakt zu einer wirklich sehr freundlichen Züchterin aus Aachen aufgenommen und mir ein Pärchen Karierte Strumpfbandnattern (Thamnophis marcianus marcianus) reserviert. Mit der aufgeregten Lieblingstochter im Schlepptau ging es eines Abends endlich auf die Reise, um die Zwerge (3 Monate alt) abzuholen. Die Namen wurden bereits im Voraus ausgehandelt: Lotta und Max.

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Inzwischen kuscheln Lotta und Max in ihrem Terrarium miteinander, fühlen sich offensichtlich wohl und fressen gierig. Zu Futtern gibt es zur Zeit vor allem zerkleinerten Stint, bestäubt mit ein paar Vitaminen (insbesondere Vitamin B1). Später werde ich es auch mal mit Regenwürmern, Nacktschnecken etc. versuchen.

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