Monthly Archives: November 2010

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Das Klitoris-Massaker – oder auch: Mosel 2010

Auch im Jahre 2010 fuhr die altbekannte Gemeinde zur alljährlichen Moselwallfahrt nach Zeltingen-Rachtig. Wobei man “altbekannte Gemeinde” eigentlich gar nicht sagen kann, schließlich war die Besetzung bislang bei jedem Mal leicht anders. Nachdem diesmal die liebe Silke absagen musste, weil sie kurz zuvor unter grausamsten Schmerzen über Stunden einen im Durchmesser 12 Zentimeter großen und sehr harten Säuglingskopf durch ihre blutverschmierte Vagina quetschen musste (ja, liebe Mädels, ich kann Eure schmerzverzerrten Gesichter sehen 😉 ) und seitdem gefühlte 2 Stunden pro Tag schlief, sind Sabine und ich tatsächlich die einzigen, die bei allen fünf Touren dabei waren. Mit Marcel, Manuela und Isabel waren diesmal sogar wieder drei Debütanten mit an Bord. Da wir zudem einem Großereignis ausgiebig beiwohnen wollten – nämlich dem Weinfest der Mittelmosel – sollte das Ganze vier statt wie gewohnt drei Tage dauern.

Wie immer schön der Reihe nach. Nachdem wir die Lieblingstochter bei der Oma in Sicherheit gebracht hatten, ploppten bereits die ersten Biere am Straßenrand auf, von den Nachbarn argwöhnisch beobachtet. Wieder einmal wurden wahre Meisterleistungen erbracht beim Versuch, liebgewonnene und dringend benötigte Luxusartikel von der Zivilisation in die moselanische Pampa zu verfrachten und dabei das zulässige Gesamtgewicht eines guten deutschen Automobils aus der oberen Mittelklasse nicht zu überschreiten. Nachdem zur Überraschung aller Anwesenden der Kofferraumdeckel zuging, verlief die Hinfahrt an sich erfreulich ereignislos. Am traditionellen freitäglichen Grillabend dann die große Enttäuschung: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte erlebte die Moseltour keine Ankündigung einer Verlobung. Schwache Leistung. Beinahe hätte Jens allerdings Claudia einen Antrag gemacht, da sie ihm vier Flaschen ihres selbstgemachten Rhabarberlikörs mitgebracht hatte. Daneben flossen auch reichlich Bier, Waldgeist, B52 und selbstgemachter Eierlikör, sodass nicht nur ein spaßiger Abend mit Gitarren und Gesang – wieder einmal wurde die tibetanische Hochlandode an die Yak-Scheiße zum besten gegeben – , sondern auch das Auspinkeln des Lagerfeuers gesichert war.

Nachdem sich alle in das gemeinsame Schlafgemach zurückgezogen hatten, wunderten wir uns über die merkwürdigsten Geräusche, die wir je vernommen hatten. War es ein Waldgespenst? Der Brunftschrei des Moselyetis? Brach die Hütte über uns zusammen? Nein, es war Marcel. Vorsorglich hatte ihm Manuela schon Schlafsaalverbot erteilt und er musste es sich in der unteren Etage bequem machen, dennoch ereilten uns seine nächtlichen Störgeräusche, die ICD-10 als R06.5 (Störung der Mundatmung) klassifiziert, durch Decken und die geschlossene Tür hindurch. Gut, dass Manuela unsere mitleidigen Blicke in der Dunkelheit nicht sehen konnte…

Am Samstag dann die schöne morgendliche Überraschung: Eine der Außenduschen war gesperrt, die anderen beiden hatten nach kurzer Zeit schon kein warmes Wasser und keinen Wasserdruck mehr zu bieten. Dennoch schafften wir es irgendwie, uns zumindest äußerlich reinzuwaschen und den Tag mit einem anständigen Frühstück zu begrüßen. Gleich darauf starteten wir zu einem Shopping-Trip in das schöne Städtchen Trier. Während die Mädels beschlossen, wahlweise einen Buchladen oder die Kinderabteilung von C&A zu plündern, zog es wahre Männer eher zu Saturn und McDonald’s. Schließlich fanden wir uns aber auch in dem Buchladen wieder und wollten uns ebenfalls durch gehobene Lektüre weiterbilden. Kurzum: Marcel erstand ein paar Märchenbücher, Jens einen Zauberkasten und ich legte die besten 4 Euro meines Lebens im “Sex Pocket Guide” an. Zunächst wurde dieser nach unserer Rückkehr am Lagerfeuer herumgereicht, dann las jeder mal ein Stückchen vor und schließlich wurden die vorgelesenen Passagen auf leicht humoristische Weise dargestellt. Unsere Lieblinge waren eindeutig die “Hirschübung”, die “Zitronenpresse” sowie das “Klitoris-Manöver”. Ach ja, auch mit 30 Jahren kann man sooo schön albern sein. 🙂

Am Abend machte sich die Gemeinde dann wie erwähnt auf zum großen Weinfest der Mittelmosel. Dorthin fuhren wir mit dem Bus, der dummerweise nach unserer Haltestelle so voll war, dass wir die weiteren Haltestellen gar nicht mehr anfuhren. Merke: Menschen reagieren ungehalten bis aggressiv, wenn man ihnen aus dem vorbeifahrenden Bus grinsend zuwinkt.  Am Ziel angekommen ergatterten wir einen guten Platz mitten auf der Bernkasteler Brücke und hatten einen perfekten Blick auf das gigantische Feuerwerk, das zugleich vom Tal und vom Berg aus abgefeuert wurde und alle unsere Erwartungen übertraf. Da kann “Rhein in Flammen” aber mal getrost einpacken! Im Rahmen des gepflegten Weingenusses wurde dann an der Partybühne zu Hits aus den 60ern und 70ern abgerockt. Zudem wurde noch einmal kurzfristig der oben erwähnte Pocket-Guide zum Thema, wobei das “Klitoris-Manöver” dank Renés kleinem Versprecher zum “Klitoris-Massaker” wurde. Nachdem Boris wieder mal ein Jahr älter geworden war und wir ihm darauf Tausende von Öchsle in Form eines edlen Eisweins gegönnt hatten, machten wir uns per Bus und Taxi auf den Rückweg. Dabei geschah es nicht nur, dass Stefan den Taxifahrer für unfähig erklärte und selbst ans Steuer wollte, es entstand auch der folgende, denkwürdige Dialog:

[… Vorgeschichte im Nebel der Öchsle verschwommen …]

Jens: “Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zum ersten Mal Sex hatte.”
Ich: “Ich schon. Ist aber auch einfach, seitdem ist das die PIN-Nummer meines Handys.”
Jens (macht große Augen und wird sehr laut): “Du bist ja völlig krank!”
Ich (verstört): “WTF!?”
Jens (brüllt einmal quer durch Bernkastel): “NADINE! Der Typ ist total irre! Der weiß, wann wir zum ersten Mal Sex hatten und hat das als PIN-Nummer!”

[… Rest geht unter im kompletten Lachkrampf aller Anwesenden …]

Zurück auf der Hütte ließen es sich die anwesenden Fans eines künftigen Zweitliga-Clubs nicht nehmen, bis ca. 4 Uhr ein paar Hymnen auf ihren Lieblingsverein – auch genannt “die falsche Borussia” – zum Besten zu geben.

Am Sonntag war schließlich der Besuch des großen Weinumzugs geplant. Leider verließen uns sechs Clubmitglieder bereits vorzeitig am frühen Morgen, sodass sich nur noch acht wackere Helden auf den erneuten Weg nach Bernkastel-Kues machten. Während sich die anwesenden Herren am Anblick der vorbeischwebenden Weinköniginnen erfreuten (die sich allerdings genervt abwendeten, weil Stefan sie alle als “Mosella” anquatschte), genossen die Damen die kostenlos ausgeschenkten Weinsorten. Wobei wir schnell feststellen mussten: “Genießen” ist hier das falsche Wort, das Ganze lief nach dem Geschmack zu urteilen doch deutlich unter dem Motto “Resteverwertung”. Wir gingen dann schnell zum kostenpflichtigen Gebräu aus dem benachbarten Weingut über.

Auf dem Weinfest-Markt versorgten wir uns mit Flammkuchen, leckerem Käse und anderen Köstlichkeiten, die uns am abendlichen Lagerfeuer erfreuen sollten. Außerdem erwies Claudia ihre Sozialkompetenz und konnte ihre seniorenpflegerischen Fähigkeiten bei der Rettung einer verwirrten alten Dame unter Beweis stellen, die doch sooo gerne mit uns einen trinken wollte. Die herbeigerufenen Sanitäter begrüßten die Dame dann auch gleich mit Namen und freuten sich schon auf’s nächste Wiedersehen.

Zum Abschluss unserer Tour nutzten wir das außergewöhnliche Ambiente, um “Die Werwölfe von Düsterwald” zu spielen, wobei sich Isabel erfolgreich ein Lieb-klein-und-süß-Image aufbaute und so jede Runde gewann. Später erfuhren wir dann noch, dass Marcel und Manuela so müde gewesen waren, dass sie auf der Heimfahrt erstmal ein paar Stunden an der Raststätte gepennt haben. Insgesamt war es eine denkwürdige Tour mit vielen Highlights, die wir uns sicherlich noch in vielen Jahren erzählen werden. Jeder Mitfahrer freut sich wohl schon sehr auf das nächste Jahr, in dem wir mal wieder den Geschichten von Becker’s Eddie lauschen und eine kleine Schiffstour wagen wollen. Und wer weiß, vielleicht erlebt ja sogar die Mosel-Olympiade ein ungeahntes Revival…

Die Pilgergemeinde der Moseltour 2010

Die Pilgergemeinde der Moseltour 2010