Monthly Archives: Dezember 2006

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Torino 2006 – Teil III

Der geneigte Leser (ja, ich bilde mir immer noch ein, meine an dieser Stelle gesammelten Werke interessieren irgendeine halbwegs intelligente Lebensform auf diesem Planeten) wird gemerkt haben, dass der dritte Teil meines Berichtes einige Zeit auf sich warten ließ. Das kann ich damit erklären, dass die letzten beiden Tage mehr als ereignisreich waren, sodass mir für die Schreiberei wenig Zeit und Muße blieb.

Chronologisch korrekt setze ich die Story nun am dritten Tag des Turin-Trips fort. Der Tag begann früh, man ist halt nicht zum Spaß hier. Einer mäßigen Vormittagssession und dem obligatorischen – und wieder mal hervorragenden – Mittagessen folgte eine sehr interessante Nachmittagssession zum Thema “user evaluation”. Natürlich kann ich hier kaum etwas darüber erzählen, aber soviel sei gesagt: Es ist ungemein praktisch, wenn nach einer Session alle über dasselbe reden, was vor der Session kaum der Fall war. Bei einigen Dingen konnten wir uns nicht ganz einigen, das wurde aber dank der harmonischen und heiteren Stimmung in der Art gelöst, dass bspw. das Wort “ownership” (ein langwieriger Streitpunkt) irgendwann nur noch “the bad o-word” genannt wurde.

Dem Meeting folgte ein Rundgang über das Gelände des VRMMP (”Virtual Reality and Multimedia Park”), der größtenteils aus beeindruckenden Filmstudios sowie Filmproduktionsräumen besteht. Hier entsteht zur Zeit der Film “Donkey Xote“, wir durften den Animationsmachern über die Schulter gucken, sehr interessant.

Am Abend bildete dann das große “Social Event” den Abschluss. Es fand im Restaurant “La Badessa” statt, das Essen war (mal wieder) grandios und der Wein war ziemlich süffig. Nicht zuletzt dank des Social Events habe ich sehr viele nette Leute im Projekt kennengelernt, die nächsten 2,5 Jahre dürfen gerne so weitergehen. :) Es ist für mich auch erstaunlich, wie schnell man von Deutsch auf Englisch umschaltet und nach wenigen Tagen beginnt, auf Englisch nachzudenken. Die Sprache war dadurch nahezu gar kein Hindernis für nette Unterhaltungen. So gegen 23.30 Uhr war ich nicht nur ein wenig (aber auch nur ein gaaanz klein wenig) tippsy, sondern auch ziemlich müde. Versehentlich schloss sich die Runde der Schlafwilligen allerdings der Sightseeing-Truppe an, sodass wir unfreiwillig, aber im Endeffekt zu unserem Glück noch die Uferpromenade bestaunen durften, Fotos gibt es u.a. hier.

Am nächsten und letzten Tag stand außer einem kurzen Abschlusstreffen eigentlich “nur” die schnelle Heimreise auf dem Programm. Am Tag zuvor wurden wir bereits vorgewarnt, dass die Busse und Bahnen an diesem Tag streiken werden. Als ich mich um 11 Uhr ins Taxi zum Flughafen setzte wusste ich allerdings nicht, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sein sollte. Noch frohen Mutes ging ich ins Flughafengebäude hinein und starrte kurz darauf auf das rot blinkende “cancelled” neben meinem Flug. Kurze Nachfrage ergab, dass die Fluglotsen streikten und erstmal bis auf Weiteres alles ausfallen würde. Ich reihte mich in die Hundert-Mann-Schlange vor dem Buchungsschalter ein, um einen anderen Flug zu organisieren. Nach einer Stunde kam ich dann auch dran und wurde einem Flug um 18.25 Uhr (statt 12.50 Uhr) zugewiesen. Alle Versuche, einen früheren Flug zu bekommen (z.B. den meiner Kollegen um 15.55 Uhr) waren vergebens.

Frustriert setzte ich mich also mit einer miesen Flughafenpizza in eine Ecke und bereitete mich auf 5 Stunden Langeweile vor. Denn wer schonmal am Turiner Flughafen war, der weiß: Da ist komplett tote Hose angesagt. Aber immerhin hatte ich ja noch meinen MP3-Player mit dem Rest vom Hörbuch – dachte ich zumindest, denn mein MP3-Player passte sich den Gegebenheiten des Tages an und verlangte eine Neuformatierung – natürlich mit dem Tool, welches zu Hause auf meinem Schreibtisch lag. Zum Glück war ich aber ja nicht der Einzige, der dort festsaß. Kurz darauf traf ich Katrien Dreessen vom IBBT, deren Flug sich um 1 Stunde verspäten sollte. Nach besagter Stunde und einer wirklich netten Unterhaltung musste ich ihr allerdings mitteilen: “You’d better not turn around” – denn dort wies die Anzeige auch ihren Flug als “cancelled” aus. Sie reihte sich daraufhin in die Lufthansa-Schlange (200 Mann) ein und ich fand bald darauf meine Kölner Kollegen – deren Flug nun auch ausfallen sollte, aufgrund technischer Probleme.

Um es abzukürzen: Wir kamen irgendwann gegen 22.30 Uhr in Düsseldorf an (Katrien hatte einen Direktflug um 16.30 Uhr nach Brüssel bekommen), natürlich verpasste ich meinen Zug nach Hause und musste mich am Ende mit dem Auto abholen lassen. Ich werde so schnell keine italienischen Fluglotsen zum Abendessen einladen, soviel steht fest. Aber irgendwann ärgert man sich an einem solchen Tag über gar nix mehr und hakt alles unter “shit happens” ab.

Außerdem hat das Meeting an sich (zu dem ich zugegebenermaßen ursprünglich wenig Lust hatte) für so einiges entschädigt und ich freue mich schon auf das nächste Treffen.