Monthly Archives: November 2006

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Torino 2006 – Teil II

Hab ich mich hier vor ein paar Monaten mal über Busfahrer in Helsinki beschwert? Vergesst es wieder, in Turin seht Ihr in den wahren Abgrund der täglichen Amokfahrten! Busfahren ist hier wohl gleichzusetzen mit Frühsport, denn wenn Ihr nicht einen der dünn gesäten Sitzplätze ergattert, habt Ihr alle Hände voll zu tun, Euch irgendwie festzuhalten und gleichzeitig weder die Orientierung noch das Frühstück aus dem Magen zu verlieren!

Nicht, dass Taxifahren eine echte Alternative dazu darstellen würde: Hier müsst Ihr Euch zwar nicht festhalten, dafür rauscht aber Euer Leben im Zeitraffer an Euch vorbei, wenn der Taxifahrer mal eben hupend auf eine vollbesetzte Kreuzung draufhält, auf die von allen Seiten Autos zuströmen. Ampeln sind hier wohl eher Deko. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Italiener mit offenen Augen Auto fahren, denn diesen Verkehr überlebt man nur mit “Augen zu und durch”.

Apropos Frühstück: Das war im Hotel auch sehr lecker und ausgiebig, nix zu meckern. Im VRMM Park wurden wir dann zum Mittagessen mit einer Auswahl italienischer Köstlichkeiten verwöhnt (ich weiß bei mehr als der Hälfte der Sachen bis jetzt nicht, was es war, aber es schmeckte). Dazu gab’s leckeren Wein, im Gegensatz zum Kaffee könnte ich mich daran in Italien durchaus gewöhnen.

Beim eigentlichen Meeting überraschte erstmal, dass unser Projektleiter den WLAN Access gekappt hat – kann ich einerseits verstehen, weil’s die Aufmerksamkeit deutlich erhöhen dürfte, andererseits bedeutete das: Kein Internet hier, nur teures im Hotel, grmpf. Das Meeting heute fand übrigens in einem leicht umgebauten Filmstudio statt, interessante Location.

Zum Abendessen gingen wir dann in ein Restaurant und aßen Pizza, dazu gab’s holländisches Bier – wobei mir auffällt, dass ich noch nie von italienischem Bier gehört habe, genauso wenig von spanischem oder französischem (abgesehen von bisher nur in Paris entdecktem Lakritzbier *würg*). Muss ich mal weiter eruieren.

Ein Wort zur Turiner City: Schön. Eigentlich sogar sehr schön. Ich bin sehr überrascht, hatte ich doch eher das Image einer Auto- und Industriestadt im Kopf. Aber Turin überrascht mit vielen Säulenbauten, schönen alten Häusern, toll gestalteten Plätzen und abends mit einer künstlerisch wertvollen Ausleuchtung, vor allem der Brücken, Plätze und Burgen.

Insgesamt kann man Reisewilligen Turin wohl sehr nahelegen. Bis morgen!

Torino 2006 – Teil I

Nein, ich schreibe hier nicht etwa um 10 Monate verspätet einen Bericht über die Winterolympiade (auch wenn ich dieses Ereignis damals durchaus interessiert verfolgt habe), es geht hier vielmehr um ein Projekttreffen unseres neuen EU-Projektes “Citizen Media“, das vom 28.11. bis 1.12. stattfindet, heute also begonnen hat.

Bereits die Vorbereitungen gestalteten sich etwas abenteuerlich, es ist nämlich gar nicht so leicht, zu halbwegs zivilisierten Zeiten von Köln nach Turin zu kommen. Schließlich haben wir es dank Air France doch noch geschafft, per Umweg über Düsseldorf und Paris annehmbare Flüge zu erhaschen. Heute morgen begann also alles damit, dass ich mich in den Zug von Grevenbroich nach Düsseldorf Hbf begeben durfte. Wie es nunmal meine Art ist, habe ich mich auf den letzten Drücker zum Bahnhof aufgemacht, stand dann aber mit einem zufriedenen Gesicht pünktlich um 11:59 Uhr (Abfahrt war 12:02 Uhr) mitsamt Gepäck am Gleis – nur um dann zu merken “scheiße, ich hab ja gar kein Ticket”! Es muss ein recht skurriler Anblick gewesen sein, als ich – gerade noch entspannt lächelnd – schlagartig mein Gepäck die Treppen runterwuchtete und zum Schalter hetzte. Nun habe ich ja schon einiges bzgl. Bahnpersonal erlebt, aber diese Dame war ausnahmsweise mal auf Zack und ich schaffte es sensationellerweise innerhalb 90 Sekunden, wieder am Gleis und schließlich im Zug zu sein.

Man sieht, die Reise begann schonmal sehr entspannt. Nun ja, am Flughafen angekommen aber das erste Highlight: Ich durfte mal mit dem SkyTrain fahren! Wollte ich ja schon immer mal, ist auch ziemlich fix das Ding. Am Check-in half mir dann ein freundlicher, unübersehbar schwuler (die gibt’s also auch in Düsseldorf) Air-France-Mitarbeiter beim Eintippen meines eTickets und ich machte mich erstmal ans Frühstück. Mein Kollege kam kurz darauf an und fluchte erstmal über sein MacBook, welches soeben seinen USB-Stick frittiert hatte – samt Präsentation. Alle Wiederherstellungsmaßnahmen halfen nix, wir vertagten die ganze Angelegenheit auf den Nachmittag.

Auf den Flügen fiel mir eigentlich nur auf: Gab’s bei diesen renommierten Airlines nicht mal was ordentliches zu futtern? Heutzutage wohl nicht mehr, ein läppisches Sandwich statt eines halbwegs sättigenden Mittagessens. Whatever, wir hatten ja noch genug Zeit in Turin selbst. Am Flughafen Turin angekommen watschelten wir dann zum Bahnhof (nix mit SkyTrain) und stiegen in die altertümlich anmutende, aber sich als relativ bequem erweisende Bahn. Über die Gegend zwischen Flughafen und City lässt sich eigentlich nur sagen: “Zur umgehenden Umkehr anratend.”

Angekommen in Madonna di Campagna versuchten wir, die einheimische Bevölkerung nach dem Weg zu fragen. Dabei fiel schonmal auf: Nur eine deutliche Minderheit der Italiener scheint Englisch zu verstehen, geschweige denn zu sprechen. Das hält sie allerdings nicht davon ab, auf Italienisch loszubrabbeln, auch wenn man kein Wort versteht und immer nur “si si” sagt – ich hoffe nur, es war kein Staubsaugervertreter darunter, vorsorglich werde ich in den nächsten Tagen sämtlichen Postboten ausweichen. Im Endeffekt haben wir den Veranstaltungsort dann von allein gefunden, den VRMM Park. An der Inneneinrichtung der Konferenzräume nebst Ausstattung könnte sich die Uni Köln mal ein Beispiel nehmen, alles sehr schick und modern. Vom eigentlichen Inhalt des Meetings will ich wie auch beim Helsinki-Report nicht allzu viel erzählen. Wichtig ist nur, dass wir nach einigem Hängen und Würgen die Präsentation wieder auf dem Bildschirm hatten und mein Kollege seinem Mac auf Lebenszeit die Freundschaft gekündigt hat.

Kommen wir zu einem zentralen Thema, über das jeder Italien-Reisende informiert sein sollte: Kaffee! Wenn Italiener “Kaffee” sagen, meinen sie in der Regel “Espresso”, und zwar in der extremen Ausführung, in der Wasser eigentlich nur zu Dekorationszwecken hinzugefügt wird. Selbst ich als Koffein-Junkie hatte nach dem ersten Genuss eines Espressos das Gefühl, mein Herz würde gerade auf den Modus “Duracell-Häschen” umschalten. Den Cappuccino (den ich ab da stets bevorzugt habe) haben die Italiener wohl nur erfunden, weil der Espresso zu viele Todesopfer gefordert hat.

Über das Hotel (Best Western Hotel City) kann man fast nur Gutes sagen, das “fast” begründet sich vor allem darin, dass man für den Internet-Zugang gesondert zahlen muss, was ich bei einem 4-Sterne-Hotel in einer Großstadt heutzutage eigentlich als kostenlosen Service voraussetze. Ansonsten ist das Hotel aber sauber, das Personal sehr freundlich und die Zimmer komfortabel. Auch der Preis scheint mir angemessen.

Auf der Suche nach einem Abendessen leuchtete uns schon bald das Goldene M entgegen, das mir wie in jeder Stadt natürlich die Freudentränen in die Augen treibt. Ich hätte mir vor Jahren vornehmen sollen, in jeder Stadt, die ich besuche, einen BigMäc zu essen und davon ein Foto zu machen – das wäre mal eine echte Foto-Love-Story geworden. Nun ja, so bleibt mir nur noch die Erinnerungen an diese schönen Zeiten…

Meine persönliche Abendunterhaltung bestand vorrangig aus meinem mitgebrachten Hörbuch “Der Schwarm” sowie meinem Selbstlernkurs “Schwedisch für Anfänger”, da das italienische Fernsehen insbesondere aus merkwürdigen Gameshows, Homeshopping und “Ruf mich an”-Werbung zu bestehen scheint – deutsches TV suchte ich vergebens.

Morgen geht die Konferenz dann richtig los, ich verabschiede mich nun in die Heia.