Monthly Archives: Oktober 2006

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Die Mosel – Ein Herbstmärchen 2006

Es war also mal wieder so weit, 19 wackere Helden machten sich auf zur Mosel-Revival-Tour des Jahres 2006 und trafen sich in der einsamen Berghütte nahe Zeltingen-Rachtig. Für Nicht-Eingeweihte: Wenn man diese Hütte mit dem Auto ansteuert, meldet das Navi pflichtbewusst: “Sie haben den Arsch der Welt erreicht!”. Allerdings ist die Hütte an sich ein Traum für eine Wochenendtour mit vielen Leuten – weit und breit niemand, den man stören könnte, viel Grün drumherum, ein großer Grillplatz und nicht zuletzt das große Vergnügen, mit lauter alkoholausdünstenden Personen in einem Raum zu schlafen.
Der Wochenendverkehr machte uns schwer zu schaffen, sodass die Ersten um 14, die Letzten um 22 Uhr eintrafen. Den Freitagabend verbrachte man dann nach der allgemeinen Begrüßung am gemütlichen Lagerfeuer mit Grillen und diversen alkoholischen Getränken, wobei der Kreativität keine Grenzen gesetzt waren. Boris und Anke erfreuten uns bei der Gelegenheit mit der Ankündigung ihrer Hochzeit im nächsten Jahr (und der Aussicht auf zwei nette Junggesell(inn)enabschiede). Nach und nach verschwand man dann im gemeinschaftlichen Riesenschlafsaal auf quietschende Luftmatratzen und raschelnde Schlafsäcke, an erholsamen Schlaf war also keinesfalls zu denken. Die üblichen Verdächtigen standen dann auch schon mit dem ersten Sonnenstrahl wieder auf, der Rest quälte sich nach und nach unter die (Außen-)Duschen – und wurden für ihr Langschläfertum prompt mit der Nichtexistenz von warmem Wasser bestraft (naja, nur die Harten komm’n in’n Garten).
Einem ausgiebigen Frühstück folgte die Aufteilung in eine sportlich ambitionierte Wandergruppe (Respekt!) und eine kuchengeile Stadtbummeltruppe. Letztere fuhr dann auch schnurstracks ins äußerst empfehlenswerte Café K. nach Bernkastel-Kues (und schickte der Wandergruppe per MMS Bilder vom Kuchen). Der nächste Pflichttermin bestand ab 15 Uhr in der traditionellen Mosel-Herbstolympiade. Diese bestand in diesem Jahr aus den Disziplinen:

  • Blind-Kick
  • Tennisball-Lauf
  • Papierflieger-Weitwurf
  • Spontan-Dichtung
  • Ruck-Zuck
  • Liedtext-Erkennung
  • Hände ertasten

Zudem musste sich jedes Team einen Namen, einen Schlachtruf und eine Fahne ausdenken. Sieger wurden die “Faulen Trauben” mit ihrem Schlachtruf “Opa Opa, Most Most Most” vor dem “Fluch der Mosel” und den “Rachen-Drachen”. Es wurden wie erwartet sportliche Höchstleistungen erster Klasse geboten, diverse Weltrekorde waren in Reichweite, zumindest aber hat sich keiner verletzt.

Nachdem man sich mit 10 Kilo Nudeln und 20 Kilo Soße wieder gestärkt hat, ging es am zum Weinkeller beim “Becker Eddi”. Bei Preisen, die benzinsteuergeplagten Menschen noch die Freudentränen in die Augen trieben, wurde einmal quer durch die Karte probiert, dass die Öchsle nur so flossen. Am Ende ließ es sich der Herr des Hauses nicht nehmen, unsere fußschwachen Damen noch persönlich den Berg hinaufzufahren. Bei der Gelegenheit lernten wir dann auch, dass es unterschiedliche Stufen der Faulheit gibt (edelfaul, essigfaul) – gefundene Argumente für die anwesenden notorischen Couchpotatos. Ein rundum gelungener Abend.

Kommen wir nun zur Einzelkritik:

  • Jens zeigte noch große Schwächen in seinen Pfadfinderfähigkeiten (verlief sich bei einer Runde um die Hütte und kam 40 Minuten später aus einer völlig falschen Richtung), glänzte aber durch Durchhaltevermögen (immer als Letzter im Bett).
  • Boris überzeugte durch prägende Sprüche (”Sach ma Öchsle-Meister, wie steht’s denn hier mit Happy Hour?”), erwies sich aber beim Blind Kick als unfairer Sportsmann (”Boris, das ist Claudia, nicht der Ball. Hör auf sie zu treten!”)
  • Stefan fiel gleich zu Beginn in Ungnade, als er wertvolle alkoholische Delikatessen fallen ließ, begeisterte aber am fortgeschrittenen Abend durch seine in langen Trainingsstunden erworbene Sozialkompetenz (”Wer sind Sie denn? Frau Becker? Frau Bratbecker?”)
  • Nadine erreichte einen neuen Weltrekord im Dauer-Schluckauf (den ganzen Weg vom Weinkeller bis zur Hütte), ihren Hang zum frühen Aufstehen kann man allerdings nur mit Schwächen in der Alkoholvernichtung erklären
  • Anke M. hatte spontane Geistesblitze beim Ruck-Zuck-Spiel (Spiel… Greuther Fürth), vergeigte jedoch das Hände-Ertasten dafür völlig (die Verwechslung mit Claudia nehm ich Dir noch lange übel!)
  • Julia war eindeutig die Mutigste von allen (ließ Papa’s teures Auto stundenlang unter einer wackeligen Holzschranke stehen), an ihrem Durchhaltevermögen muss sie aber noch schwer arbeiten (als Erste im Bett)
  • Stephan kümmerte sich im ganz großen Stil um unser Lagerfeuer (brachte nen ganzen Anhänger mit), war aber Schuld am z.T. schlechten Wetter, weil er als Einziger seinen Kuchen nicht aufgegessen hat
  • Olli sorgte für handfeste Skandale (beim Ruck-Zuck-Spiel enthüllte er unfreiwillig seine aktuelle Dreiecksbeziehung), überraschte uns aber mit einer persönlichen Vorstellung von “das perfekte Frühstück”
  • Simone hatte zwar bei Ruck-Zuck arge Probleme mit einem Dauerständer, war aber zu guter Letzt die Rettung in puncto Heimfahrt für gewisse grüngesichtige Weinopfer
  • Richard hatte das tollste Technikspielzeug dabei (3-Euro-Taschenlampe mit 134 Funktionen), allerdings konnte auch sie das für ihn optimale Verhältnis Blut vs. Alkohol nicht korrekt errechnen
  • Melanie erwies sich als äußerst konsequent bei der Ermordung von achtbeinigen Mitbewohnern (nehmen wir halt nen Bierkasten – sicher ist sicher – *rumms*), muss an ihrer Abwehrstrategie für aufdringliche Männer aber noch arbeiten
  • Unserem Grillmaster René verdanken wir unser leibliches Wohl, allerdings hält sich nachhaltig das Gerücht, dass er als bekanntermaßen gemütlicher Autofahrer den Stau auf der Hinfahrt verursacht hat
  • Sabine erntete jede Menge Neid für ihre dreistöckige Luftmatratze, ihre Standfestigkeit ließ jedoch arg zu wünschen übrig (lief immer nur auf Krücken rum)
  • Dirk muss noch dringend an seiner Terminplanung feilen (reiste bereits Sonntags um 8 ab, wofür ihn die Schlafwilligen hätten erwürgen können), er verdiente sich aber bei der Olympiade große Anerkennung durch sein spontanes Sado-Maso-Gedicht
  • Claudia verzweifelte beim Dichten am Wort “Matratzenschoner”, war ihrem Team aber bei der kreativen Gestaltung der Fahne eine große Hilfe, indem sie die Vorlage für einen Totenkopf mit rosa Schleifchen auf ihrem T-Shirt trug
  • Anke L. sorgte mit kreativer Getränkeauswahl (Becherovka-Tonic) bei der Verlobungsverkündung für Aufsehen, zeigte aber in der darauffolgenden Nacht gleich, was Gewalt in der Ehe bedeutet (verpasste Boris ca. 38 Watsch’n weil er schnarchte)
  • Silke ließ bei der Auswahl der Ruck-Zuck-Begriffe (Dreiecksbeziehung, Dauerständer etc.) wieder tief in die Abgründe ihrer Phantasie blicken, startete allerdings auch mit einem Bonus ins Wochenende, weil sie bereits beschwipst ankam (Flasche Schnaps im Auto)
  • Jenny zeigte geringes Verständnis für Tradition (drehte uns den Zapfenstreich ab), ihr Talent lag eher in der Lyrik, sodass sie in Koproduktion mit Stephan das beste Gedicht hervorbrachte (”Ja sind wir denn hier im Schweinestall – Maulsperre und Klauenseuche überall – da nimm doch lieber mal eine Klobürste hier – oder ein Taschentuch, vielleicht reicht es Dir”)

Über mich selbst sag ich natürlich nix, dazu ist die Kommentarfunktion ja da.

Insgesamt war es wieder ein phänomenales Wochenende. Ich denke mal, dass sich alle schon wieder auf das nächste Mal freuen.