Finnland – Teil I

So, um diesem Blog endlich mal einen Sinn zu geben, blogge ich in den nächsten Tagen mal fleißig aus Finnland, genauer gesagt aus Helsinki. Ich bin ja ein paar Tage zum WebALT-Projekttreffen hier und heute morgen um 8 Uhr ging’s los.

Erstmal natürlich mit dem Zug zum Flughafen. Reichlich unspektakulär, außer der Tatsache, dass ich beim Sicherheitscheck mal wieder viermal durch das Piepsding musste (und es beim vierten Mal immer noch piepste…). Irgendwann muss ich mich mal von Kopf bis Fuß röntgen lassen und rausfinden, wo mir die Außerirdischen diese Metallplatte implantiert haben…

Ach ja: Beim Check-in fiel mir dann noch mein Vordermann durch seinen unangenehmen Dunst auf. Allerdings stellte sich heraus, dass dieses Gemüffel eher von seinem Handgepäck kam – einem Wauwau in Rattenoptik. Überflüssig zu erwähnen, dass dieses Duo sich im Flieger unbedingt in die Reihe vor mir setzen musste. Immerhin hatte ich eine nette ältere Dame neben mir sitzen, genauer gesagt eine finnische, wie sich später herausstellte. Nachdem wir beide den Spiegel bzw. Stern ausgelesen hatten, schenkte sie mir ihre Zeitung – in Helsinki wäre es wohl sehr schwer, an deutsche Zeitungen zu kommen. Nett, sehr nett.

Der Flug selbst verlief ruhig, man hatte einen schönen Blick auf Lübeck, Rostock, Kopenhagen und Malmö (die Verbindungsbrücke sieht wirklich beeindruckend aus). Nach einer etwas holprigen Landung und der Rückgewinnung meines Gepäckstücks war die große Frage: Wie komm ich denn nun zum Hotel? Den Stadtplan von Helsinki hatte ich Dussel natürlich vergessen, also erstmal nen Info-Schalter suchen. Dort gab’s dann auch Gratis-Stadtpläne, sehr praktisch. Mein Versuch, der Info-Tante klarzumachen, dass ich zur Straße “Ruoholahdenranta” im Bezirk “Punavuori” muss, löste bei ihr mittelschwere Lachkrämpfe aus – ich muss an meiner Aussprache finnischer Begriffe wohl noch etwas feilen. Nun ja, Ergebnis war dann, ich solle doch den Bus 615 zum Hauptbahnhof nehmen und von da aus könnte ich locker zu Fuß gehen.

Nachdem ich feststellen musste, dass das finnische Wort für “Hauptbahnhof” wohl 26 Buchstaben hat, wollte ich dann doch weitere Finnenbelustigung vermeiden und bestellte beim Busfahrer ein Ticket für die “central station”. Auf dem Weg dorthin wurden mir zwei Dinge klar: Erstens, dass Busfahrer in Finnland chronisch unterbezahlt und depressiv sein müssen und somit keine Gelegenheit zum Selbstmordversuch auslassen. Und zweitens, dass man in Finnland einen Riesenhaufen Kohle verdienen könnte, wenn man das “lesbare Straßenschild” erfinden würde. Die sind nämlich (wie alles hier) zwar zweisprachig in Finnisch und Schwedisch, aber beides wird auf ca. 10 Quadratzentimetern untergebracht – vollkommen wurscht, ob der Straßenname 10 Buchstaben hat oder 20 (was die bedeutende Mehrheit darstellt).

Apropos Schwedisch: Die Sprache wird einem hier sofort sympathisch. Zwar kann ich kein Wort Schwedisch, aber im Gegensatz zum Finnischen sind die Wörter wenigstens aussprechbar und geben einem zumindest einen gewissen Anhaltspunkt, was sie denn bedeuten könnten. Beispiel in den Hotelinformationen, zunächst Schwedisch: “Restaurang – … – Vänligen kontakta One Touch Service för bordsreservationer.” Nach einem Moment des Überlegens könnte man darauf kommen, dass man für Tischreservierungen im Restaurant den One Touch Service kontaktieren soll. Nun Finnisch: “Ravintola – … – Pöytävarauksen voitte tehdä soittamalla One Touch Serviceen”. Äh, ja, genau…

Nun gut, am Hauptbahnhof angekommen, tappse ich in üblicher Touri-Manier mit vorgehaltenem Stadtplan weiter. Fragen gilt nicht, man hat ja Zeit und will’s selbst schaffen. Die richtige Richtung war aber auch gar nicht das Problem, viel eher gewann ich den Eindruck, dass die Info-Tante am Flughafen mich nicht nur ausgelacht, sondern auch verar…t hat, der Fußweg nahm nämlich mal locker 35 Minuten in Anspruch – mit Gepäck, wohlgemerkt.

Keuchend im Hotel angekommen, begrüßte mich eine nette, junge, blonde Dame an der Rezeption und stattete mich mit Keycard sowie Wireless LAN Access aus, damit ich diese Zeilen auch in Ruhe schreiben kann. Dann kam mein neuer Freund, der Aufzug. Naiv wie ich bin, ging ich rein und drückte den Etagenknopf. Tür zu. Nix. Tür wieder auf. Hmm, kurzer Rundumblick – aha, man muss die Keycard in den Aufzug stecken. Gesehen, getan. Ich drück “3″. Er fährt auf die 4. Etage. Auch gut, also raus und eine Etage mit der Treppe runter. Ab ins Zimmer, 08/15-Standard aber gemütlich. Allerdings wird der angepriesene “Meerblick” etwas relativiert, wenn man direkt auf den Frachthafen guckt.

Nach kurzem Ausruhen und testen des WLAN-Zugangs war es nun Zeit, an die wichtigen Dinge zu denken. Da die Abendunterhaltung dank Fußball und der mitgebrachten Al-Bundy-DVD-Staffel weitestgehend gesichert ist, beschränkte sich mein erster Ausflug daher auf die Suche nach Essen und Trinken. Praktischerweise ist der Supermarkt gleich um die Ecke. Station 1: Abendessen, bestehend aus Brot, Käse (echter deutscher “Bonifaz”) und Oliven. Dazu ein paar Brownies als Nachtisch und Pepsi zum Runterspülen. Station 2: Chips und Bier für den Fußballabend. Die berühmteste Chipsmarke in Finnland scheint “Megapussi” zu sein – toller Name. Ich zog dann aber die Chili-Tortillas vor und näherte mich wagemutig der Alkoholabteilung. Ich hatte mich ja mental schon auf einiges vorbereitet, aber als mir ein Schild offenbar ein Sonderangebot (!) von 12 Euro für ein Sixpack Karlsberg anpreisen wollte, kippte ich doch etwas aus den Latschen. Ich entschloss mich dann für eine etwas billigere Sorte, laut Etikett “Dortmund’s berühmtes Bier” – namens “Hartwall Legenda”. Entweder gibt’s noch ein Dortmund in Burkina Faso oder so, oder aber die Berühmtheit dieses Bieres ist an mir all die Jahre vorbeigegangen. Immerhin kostete ein 3er-Pack “nur” 3,30 Euro, werd’s nachher mal antesten.

Nach meiner Rückkehr wollte ich dann Freund Aufzug nochmal ne Chance geben. Eingestiegen, Keycard rein, “3″ gedrückt. Er fährt auf “8″. Mann steigt ein, rückt “0″. Ich drücke nochmal “3″. Aufzug hält auf dem Weg noch auf “5″. Weiterer Mann steigt ein, drückt “0″. Zur Sicherheit drück ich nochmal “3″. Aufzug fährt auf “0″. Männer raus, Familie rein. Sie drücken “4″, fragen mich, wohin ich will. Ich in völliger Verzweiflung: “Third floor please.” Sie drücken “3″. Ich bereite mich mental wieder auf eine Etage Treppe runter vor. Aufzug hält auf “3″. Er hasst mich einfach.
So, Respekt für alle, die bis hierhin ausgehalten haben und morgen könnt Ihr dann lesen, ob ich den Genuss des berühmtesten Bieres der Welt heil überstanden hab.

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